Aussichtspunkt auf Koh Phi Phi

Backpacken in Thailand: Ein Fazit

Wir reisen, um fremde Orte zu sehen, Neues zu entdecken, unbekannte Kulturen kennenzulernen und Abenteuer zu erleben. Dabei vergessen wir oft, dass wir Spuren in den Ländern hinterlassen, die wir erkunden. Denn wieviel Tourismus verträgt ein Land, bis es sich zur Unkenntlichkeit verändert hat und zum bunten, touristischen Abklatsch seiner selbst wird? Das beste Beispiel für ein solches Reiseland ist leider Thailand. Vor meinem Urlaub habe ich in diversen Reiseberichten gelesen, dass sich das Land durch den Tourismus drastisch verändert hat, total überlaufen ist und längst seinen früheren Charme verloren hat. Ich wollte mich von den negativen Geschichten aber nicht abschrecken lassen und habe mir selbst ein Bild gemacht.

Bequemes und einfaches Reisen

Das Positive vorab: Ich war absolut überrascht wie einfach es ist, als Backpacker durch Thailand zu reisen. Fast alle Thais sprechen Englisch und sind sehr hilfsbereit. Die meisten Hotels bieten einen eigenen Flughafentransfer, Reisebüros an jeder Ecke locken mit günstigen Ausflugsangeboten zu den bekannten Sehenswürdigkeiten oder mit Überlandbus- oder Fährfahrten in alle Himmelsrichtungen. Meist wird man sogar vor der Haustür des Hotels abgeholt, zum Hafen oder Bahnhof gekarrt und an der Hand zum nächsten richtigen Verkehrsmittel geführt. In den falschen Bus einzusteigen oder die Fähre zu verpassen wird damit fast unmöglich. Am Bahnhof wartet englischsprachiges Personal, welches die Reisenden zum richtigen Gleis führt, ihnen den Fahrkartenschalter zeigt oder sie am Gleis so plaziert, dass sie automatisch in den richtigen Waggon einsteigen. Auch findet man in den touristischsen Zentren wirklich alles, was das Herz begehrt: leckeres asiatisches Essen, das dem europäischen Magen angepasst ist, Souvenirläden, Geldautomaten, Postkästen, Bars, günstige Hotels, Apotheken, Krankenhäuser, Rollerverleihe, Supermärkte etc..

Schattenseiten des Tourismus

Mit den positiven Aspekten des Tourismus kommen aber gleichzeitig auch die Negativen. Alles ist so bequem, vorgeplant, die Pfade so ausgetreten und überlaufen, dass manchmal nur noch die Landschaft und die Architektur daran erinnern, dass man sich in einem anderen Land befindet. Das Thailand so westlich ist, hätte ich niemals gedacht. Es scheint, als wäre das ganze Land nur darauf ausgelegt, es den Touristen so bequem und schön wie möglich zu machen. Natürlich wollen die Thais Geld mit den Touristen verdienen. Ich finde das absolut verständlich und auch in keinster Weise verwerflich. Trotzdem muss ich sagen, dass die zahlreichen Schlepper, die für verschiedenste Unternehmungen werben und die Verkäufer und Taxifahrer, die ständig an einem zerren, auf Dauer echt ganz schön anstrengend sind.

Aus dem Weg! Hier kommen wir!

Wer denkt, dass Thailand immer noch ausschließlich ein Backpacker-Land ist, liegt leider falsch. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich eine wirklich schrecklich naive Vorstellung hatte. So dachte ich wirklich, dass wir hauptsächlich junge Leute mit Rucksack treffen würden, die genauso wie wir auf Entdeckungsreise gehen wollten. Ich war dann ganz schön geschockt, als ich mit den anderen Touristen konfrontiert wurde. In Thailand trifft sich im wahrsten Sinne des Wortes Hinz und Kunz. Vom Hippie auf der Suche nach dem Sinn des Lebens bis zum älteren Paar mit weißen Tennissocken in den Wandersandalen und dicker Kamera vor der Brust baumelnd, vom ständig besoffenen Partypublikum bis zum pädophilen Sextourist… Und leider können sich die meisten nicht benehmen. So haben ich während meines Aufenthaltes diverse “Touris” dabei beobachtet, wie sie respektlos mit Schuhen durch die Tempel latschten, die Gebetsglocken mit ihren dreckigen Füßen anstupsten, vor die eine oder andere Buddha-Statue rotzten, die Thais wie Dienstboten behandelten, rotzebesoffen und gröhlend die Strände vollkotzten oder sich anderweitig danebenbenahmen. Zurechtweisungen habe ich hingegen nie mitbekommen. Ein verbaler Angriff kommt in Thailand einem Gesichtsverlust gleich, deswegen wird vieles einfach stillschweigend hingenommen. Lediglich die Gesichter der Thailänder verrieten manchmal die Abscheu und Fassungslosigkeit gegenüber dieser Respektlosigkeiten. Mehrere Male habe ich mich wirklich in Grund und Boden geschämt, selbst eine Touristin zu sein.

Ballerman in Thailand

Auch die Landschaft ist an vielen Stellen von den Touristen gekennzeichnet: An den Stränden reihen sich die Bungalowanlagen, Hotels und Bars aneinander und im Hinterland stapelt sich der Müll. Ganz extrem fand ich die Insel Koh Phi Phi. Ursprünglich ein wunderschönes Kleinod in der Andamanensee, existiert sie nun nur noch für die Touristenmassen, welche die zahlreichen Fähren jeden Tag auf die Insel spucken. Es gibt kein Leben abseits des Tourismus auf Koh Phi Phi. Die Menschen, die hier leben, arbeiten auch hier in den zahlreichen Bars, Restaurants, Supermärkten, Hotels, Souvenirläden und auf den Ausflugsbotten, die tagtäglich zur berühmten Maya Bay auf die Nachbarinsel fahren. Der einzige Ort auf der Insel erinnerte mich wirklich sehr an den Ballermann auf Mallorca. Pizzarien, Burger-Grills, Mexikanische Restaurants, Bierhallen, Cocktailbars und unzählige Shops reihen sich in den engen Gassen aneinander, durch die sich die Touristenmassen drängen. An den Straßenecken gibt es billige Longdrinks in große Plastikeimern zum kleinen Preis. Hier tanken die Partylustigen mächtig vor, bevor Sie gegen abend zur Doh Dalum Bay aufmachen, wo  quasi jeden Tag eine Fullmoon-Party stattfindet, egal wie der Mond gerade steht. Grund zum Feiern gibt es immer, und der Müllgeruch, der die Insel wie ein übelriechendes Parfüm einhüllt, lässt sich mit billigem Schnaps noch leichter verdrängen. Dass die Tiere vom Strand verschwunden sind, und die laute Technomusik noch auf der anderen Seite der Insel zu hören ist, interessiert hier niemand. Denn es geht ja nur um den eigenen Spaß. Nicht mal beim Sunnenuntergangs-Viewpoint der Insel kann man die Schönheit der Insel in Ruhe genießen. Hunderte Menschen pilgern hier jeden Abend auf den Hügel, zahlren artig den überteuerten Eintritt und bevölkern dann die Felsen und Bänke. Vor lauter Selfie-Sticks und gestellten Fotos, ist die Sonne fast nicht mehr zu sehen. Jeder will das perfekte Foto, dass den Daheimgebliebenen zeigt, was für traumhafte Plätze man doch besucht hat. Wen kümmert es schon, dass die Realität eine Andere ist.

Auch Koh Phangan hat ein ähnliches Schicksal erlitten. Jeden Monat fallen tausende Partywütige auf der Insel ein um auf den zahlreichen Fullmoon-Partys so richtig die Sau rauszulassen. Das hinterlässt nicht nur Spuren in der wunderschönen Natur, sondern auch bei den Bewohnern. Nirgendwo anders im ganzen Land waren die Menschen so unfreundlich und offensichtlich total entnervt von den Touristen.

Mein Fazit

Natürlich ist nicht alles schlecht in Thailand. Hält man sich von den bekannten Touristenattraktionen etwas fern und klappert nicht nur die Hauptsattraktionen ab, entdeckt man wirklich wunderschöne Orte und kann unglaublich freundliche und interessante Menschen treffen. Gerade für Backpacking-Einsteiger ist das Land ein wirklich gemütlicher und einfacher Start. Mir war das Land einfach viel zu überlaufen und an die Bedürfnisse der Touristen angepasst. Das liegt mit Sicherheit an meiner bevorzugten Art des Reisens. Ich brauche nicht viel Luxus, will Orte eigenständig entdecken, mit Menschen ins Gespräch kommen, die Natur genießen und auch mal für mich sein. Dafür ist Thailand einfach nicht mehr das richtige Land. Das liegt aber tatsächlich nicht an Thailand selbst, sondern vielmehr an der Toursimusindustrie und den Touristen selbst, die mit ihrer Ignoranz und ihrem Egoismus das Land immer weiter zerstören. Ich werde wohl so schnell nicht mehr hinfahren…

 

 

6 Comments

  • Jeannine

    30. November 2016 at 13:35

    Liebe Sandra

    Danke für deinen Eindruck. Seit längerem studiere ich sm Gedanken rum mit meiner Familie mal nicht mit Bus sondern Backpacker nach Thailand zu fliegen. Nun hat mir dein Bericht wiedermal die Augen geöffnet. Vielen Dank. Wie können Menschen nur so rücksichtslos sein. Oft hab ich mich auf Reisen schon geschämt. Ich unterscheide jedoch zwischen Reisenden und Touristen. Dann fühl ich mich ein wenig besser.
    Liebe Grüsse aus der kalten Schweiz
    Jeannine

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    • Sandra_Ohse

      30. November 2016 at 13:45

      Hallo Jeannine,

      deine Unterscheidung zwischen Reisenden und Touristen find ich super! Damit kann ich mich auch identifizieren! Ich fahre ja demnächst nach Vietnam für drei Wochen und hoffe, dass es da noch ein bisschen anders ist. Natürlich berichte ich hier wieder von meinen Eindrücken.

      Liebe Grüße,
      Sandra

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  • Kuno

    30. November 2016 at 17:46

    Ich werde einen Teil des nächsten Jahres auch in Südostasien verbringen, habe mich aber gegen Thailand entschieden, ganz einfach aus dem Grund, weil es doch sehr touristisch geworden zu sein scheint, was bei dir ja auch durchklingt. Es gibt bestimmt in jedem Land super schöne Ecken und eine Erfahrung ist es alle Mal Wert. Ich wünsche dir aber jetzt schon viel Spaß in Vietnam und hoffe bald darüber lesen zu können und mir ein paar Tipps einzuheimsen 😉

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    • Sandra_Ohse

      30. November 2016 at 17:55

      Liebe Kuno,

      da hast du natürlich recht, dass es auch in Thailand wunderschöne Ecken gibt. Ich war nur während meiner Reise ab und zu richtig frustriert und habe diesem Gefühl dann in dem Artikel ausdruck verliehen. Von meiner Vietnamreise werde ich selbstverständlich berichten. LG

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  • Florian

    5. Dezember 2016 at 16:41

    Südthailand ist touristisch, v.a. die von Dir erwähnten Inseln.

    Im Isaan im Nordosten, im sogenannten “Wilden Westen”, z.B. Sangkhlaburi oder Umphang, im Nordwesten auf der Mae Hong Son Loop und im tiefen Süden wie Songkhla oder Satun findest Du nach wie vor die Authentizität, die Du suchst. Selbst in Bangkok brauchst Du nur die Flussseite wechseln und bist in Thonburi im Bangkok von früher.

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