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Schuster Tegernseelauf Halbmarathon

Schuster Tegernseelauf: Mein erster Halbmarathon

Einen Halbmarathon zu laufen, steht ja schon länger auf meiner Bucket List. Letztes Wochenende habe ich dieses Ziel dann beim Tegernseelauf in Angriff genommen. Für den Wettkampf hab ich mich bereits Anfang des Jahres angemeldet, damals noch mit dem Vorhaben, mich ordentlich darauf vorzubereiten. Hier mein (ungeschönter) Bericht…

Halbmarathon ohne Vorbereitung?

Aus dem Training ist dann allerdings nicht so viel geworden. Zwar bin ich einigermaßen regelmäßig laufen gegangen, viel Fahrrad gefahren und war öfters wandern, aber ich habe mich nicht speziell auf den Halbmarathon vorbereitet. Dabei habe ich mir extra einen Trainingsplan geholt und mir fest vorgenommen, drei Monate vor dem Halbmarathon mit der Vorbereitung zu beginnen. Ja, und dann ist irgendwie das Leben dazwischen gekommen… Ich habe mein Ziel aus den Augen verloren, war öfters mal krank und mein Schweinehund, der in den letzten Monaten zum riesigen Schweinetiger herangewachsen ist, hat auch eine große Rolle gespielt. Sprich, ich war so richtig gut vorbereitet… äh nicht!!! Das ist mir dann zwei Wochen vor dem Lauf richtig bewusst geworden, aber da war es schon zu spät und der Trainingsrückstand nicht mehr einzuholen. Vor dem Wettkampf bin ich tatsächlich nie weiter als 14 km gelaufen. Kurzzeitig habe ich mit dem Gedanken gespielt,  einfach nicht anzutreten. Aber irgendwie hat das mein Ego und mein Ehrgeiz auch nicht zugelassen. Außerdem war ich zum Glück nicht allein mit meinem Vorhaben. Meinen Freundinnen Marieke und Katha ging es bei der Vorbereitung ähnlich, und gemeinsam beschlossen wir, den Halbmarathon zu laufen ohne darauf trainiert zu haben. Mein Ziel: die 21 km in unter 2 Stunden 30.

Augen zu und durch…

In der Nacht vor dem Wettkampf habe ich vor Aufregung fast kein Auge zugetan. Ständig kreiste der Gedanke durch meinen Kopf, ob es eine realistische Chance gäbe, den Halbmarathon überhaupt zu schaffen. Da war ich mir wirklich nicht sicher. Außerdem machte ich mir doch etwas Sorgen um meine Gesundheit. Schließlich habe ich meine Muskeln und Gelenke nicht auf die Belastung vorbereitet.

Am Sonntag ging es dann schon früh morgens ziemlich unausgeschlafen mit der BOB (Bayerische Oberlandbahn) von München zum Tegernsee. Hier hatten sich schon zahlreiche andere Läufer versammelt. Die Aufregung war wirklich allen ins Gesicht geschrieben. Ich selbst war auch total nervös und aufgekratzt. Kurz vor dem Start merkte ich dann, dass der Klinkenstecker meines Kopfhörers aufgrund der wasserdichten Hülle meines Smartphones nicht mehr in die Buchse passte. Ich bekam fast einen Herzinfarkt vor Aufregung, als ich in aller Windeseile mein Handy wieder aus der Hülle herausmontierte…. Regen hin oder her – ohne Musik läuft im wahrsten Sinne des Wortes bei mir gar nichts. Ich habe mir sogar extra eine Playlist für den Halbmarathon zusammengestellt. Ganz passend zu meinem Gefühl im Vorfeld durften Titel wie “Staying alive” natürlich nicht fehlen ;).

Ist doch alles halb so wild!

Um halb elf fiel endlich der Startschuss. Das Wetter meinte es zu Beginn mit 15 Grad und Wolken gut mit uns. Die ersten fünf Kilometer kamen mir eher vor wie zwei. Auch der Regen, der mittlerweile eingesetzt hatte, konnte meine gute Stimmung nicht trüben. Total euphorisch lief ich deutlich schneller, als ich mir eigentlich vorgenommen hatte, aber die anderen Teilnehmer um mich herum und klatschenden Menschen am Wegrand machten es mir leicht. Meine Füße liefen wie von selbst, und ich war einfach nur glücklich. Genauso habe ich mir das immer vorgestellt: Mit großartiger Musik auf den Ohren, inmitten von anderen Menschen mit dem gleichen Ziel vor Augen, hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ich mein Ziel wirklich erreichen könnte. Das kleine Zwicken im rechten Bein konnte ich noch ziemlich gut ignorieren. So joggte ich ziemlich zuversichtlich durch den strömenden Regen am Ufer entlang, immer die Berge auf der linken und den See auf der rechten Seite. Beim 14-km-Schild überkam mich dann noch mal ein richtiges Hochgefühl: Weiter war ich noch niemals gelaufen… alles was danach kam, war Neuland und mein persönlicher Rekord.

Warum tue ich mir das an?!?

Neben dem Hochgefühl machte sich aber die zurückgelegte Strecke deutlich bemerkbar. Das Zwicken in meinem rechten Bein wollte sich nicht mehr länger ignorieren lassen und hatte sich zu einem stechenden Schmerz entwickelt. Dieser zog sich schön entlang des äußeren Oberschenkelmuskels vom Knie bis in die Hüfte hinein. Die Füße quietschen in den klatschnassen Schuhen und ich konnte spüren, wie sich langsam Blasen auf den Innenseiten meiner Fußsolen bildeten. Aber egal… von diesen Wehwehchen wollte ich mich definitiv nicht davon abhalten lassen mein Ziel zu erreichen. Immer öfter begnete ich anderen Läufern die kleine Gehpausen einlegten um neue Kraft zu schöpfen. Auch ich versuchte etwas langsamer zu laufen und meine Kräfte zu schonen. Denn immerhin wusste ich, dass auf den letzten vier Kilometern zwei heftige Anstiege auf mich warteten.

Ich kann nicht mehr!

Bei Kilometer 18 kam er dann, der erste gemeine Anstieg! Fast einen Kilometer schlängelte sich hier die Teerstraße den Hügel hinauf. Bis kurz vorm höchsten Punkt hielt ich durch… dann konnte ich einfach nicht mehr. Meine Füße taten weh, mein rechtes Knie und meine Hüfte pochten vor Schmerz, ich war komplett durchnässt und meine Lunge brannte. Jeder Schritt wurde zur Qual und so tat ich das, was ich eigentlich unter keinen Umständen tun wollte: Ich begann zu gehen. Und ärgerte mich im gleichen Moment schrecklich. Denn das tat mindestens genauso weh, und ich sah auf meiner Uhr die Zeit vorbeirasen und mein Ziel in weite Ferne rücken. Also riß ich mich zusammen, schluckte die Frusttränen hinunter und fing nach einigen Metern wieder an zu traben. Zumindest ging es jetzt wieder ein Stückchen bergab. Bei der letzten Versorgungsstation versuchte ich mich mit einem Isogetränk aufzupäppeln, doch es wurde nicht mehr besser. Denn nun ging es an den letzten Anstieg und mir wurde richtig schlecht. Nicht nur so ein bisschen übel, sondern richtig kotzschlecht. Sternchen tanzten vor meinen Augen, es rauschte in meinen Ohren, und ich hatte Angst jeden Moment einfach umzukippen. Wieder wurde ich langsamer und begann ein zweites Mal zu gehen. Die Zuschauer am Wegrand feuerten die ausgepowerten Läufer an. Ich muss ein ziemlich mitleiderregendes Bild abgegeben haben, denn ein Mann lief neben mir auf die Route, drückte mir ein Stückchen Schokolade in die Hand und klopfte mir aufmunternd auf die Schulter. Die Schokolade hat mich wirklich gerettet! Mit letzter Kraft begann ich wieder schneller zu laufen und quälte mich bis zum höchsten Punkt des Hügels hinauf. Zum Glück ging es die letzten Meter nur noch bergab. Als ich endlich über die Ziellinie lief, zeigte meine GPS-Uhr eine Zeit von 2 Stunden und 24 Minuten an. Ich war schneller gewesen, als ich eigentlich geplant hatte, trotz zwei kleiner Gehpausen.

Endlich vorbei…

Im Ziel angekommen, war ich vollkommen fertig mit der Welt und ziemlich orientierungslos: So übersah ich die Versogungsstationen mit Essen und Getränken und steuerte  schnurstracks auf das Taschendepot zu. Erst jetzt merkte ich, wie kalt es war, und wie meine nasse Kleidung an mir klebte. Zum Glück hatte ich warme und trockene Wechselkleidung inklusive Mütze und Schal dabei. Sonst hätte ich mich mit Sicherheit fies erkältet. Bei der Taschenausgabe traf ich dann auch meine zwei Freundinnen wieder, die beide auch erfolgreich den Lauf gemeistert hatten. Wir waren wirklich wahnsinnig stolz, alle drei. Und ich bin es immer noch, einfach weil ich es durchgezogen habe! Trotzdem ist mir vollkommen klar, dass die Aktion nicht unbedingt schlau war… Ich habe mir und meinem Körper zuviel zugemutet und der dankt es mir heute mit ordentlich Schmerzen im Bein und einem saftigen Muskelkater. Beim nächsten Lauf – und der kommt bestimmt, werde ich mich sicher besser vorbereiten!

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